Erektile Dysfunktion (ED) ist ein weit verbreitetes Problem, von dem fast jeder Mann irgendwann betroffen ist. Sie hat tiefgreifende Auswirkungen auf Stimmung, Selbstwertgefühl und Lebensqualität und kann zu Angstzuständen und/oder Depressionen führen. Obwohl ED traditionell mit älteren Männern und gesundheitlichen Problemen in Verbindung gebracht wird, tritt sie immer häufiger auf und ist mittlerweile auch bei jungen Männern ein verbreitetes Problem. In diesem Artikel gehen wir der Frage nach, ob Rotlicht bei dieser Erkrankung hilfreich sein kann.
Grundlagen der erektilen Dysfunktion
Die Ursachen für Erektionsstörungen sind vielfältig, wobei die wahrscheinlichste Ursache vom Alter abhängt. Wir werden hier nicht näher darauf eingehen, da die Ursachen zu zahlreich sind, aber sie lassen sich in zwei Hauptkategorien unterteilen:
Geistige Impotenz
Auch bekannt als psychische Impotenz. Diese Form neurotischer sozialer Leistungsangst wurzelt meist in negativen Vorerfahrungen und führt zu einem Teufelskreis paranoider Gedanken, die sexuelle Erregung verhindern. Sie ist die Hauptursache für sexuelle Funktionsstörungen bei jüngeren Männern und tritt aus verschiedenen Gründen immer häufiger auf.
Physische/hormonelle Impotenz
Verschiedene körperliche und hormonelle Probleme, meist altersbedingt, können zu Erektionsstörungen führen. Dies war traditionell die häufigste Ursache für Erektionsstörungen, die vor allem ältere Männer oder Männer mit Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes betrafen. Medikamente wie Viagra galten lange als Standardlösung.
Unabhängig von der Ursache führt dies letztendlich zu einer unzureichenden Durchblutung des Penis, wodurch eine Erektion nicht erreicht und aufrechterhalten werden kann. Konventionelle Medikamente (Viagra, Cialis usw.) sind zwar die erste Wahl der Medizin, stellen aber keine gesunde Langzeitlösung dar, da sie die Wirkung von Stickstoffmonoxid (NO – einem potenziellen Stoffwechselhemmer) verstärken, unnatürliches Blutgefäßwachstum anregen, andere Organe wie die Augen schädigen und weitere negative Auswirkungen haben können.
Kann Rotlicht bei Impotenz helfen? Wie schneidet es im Vergleich zu medikamentösen Behandlungen hinsichtlich Wirksamkeit und Sicherheit ab?
Erektile Dysfunktion – und Rotlicht?
Rot- und Infrarotlichttherapie(aus geeigneten Quellen) wird im Hinblick auf eine Vielzahl von Fragestellungen untersucht, nicht nur beim Menschen, sondern auch bei vielen Tieren. Die folgenden potenziellen Wirkmechanismen der Rot-/Infrarotlichttherapie sind für die Behandlung von Erektionsstörungen von besonderem Interesse:
Gefäßerweiterung
Dies ist der Fachbegriff für eine erhöhte Durchblutung aufgrund der Erweiterung (Vergrößerung des Durchmessers) der Blutgefäße. Das Gegenteil ist die Verengung (Vasokonstriktion).
Viele Forscher stellen fest, dass Lichttherapie die Gefäßerweiterung anregt (ebenso wie verschiedene andere physikalische, chemische und umweltbedingte Faktoren – wobei der genaue Mechanismus je nach Faktor variiert – manche Faktoren wirken sich positiv, manche negativ aus). Der Grund, warum eine verbesserte Durchblutung bei Erektionsstörungen hilft, liegt auf der Hand und ist für deren Heilung unerlässlich. Rotes Licht könnte die Gefäßerweiterung möglicherweise über folgende Mechanismen stimulieren:
Kohlendioxid (CO2)
Kohlendioxid, das gemeinhin als Stoffwechselabfallprodukt gilt, wirkt tatsächlich gefäßerweiternd und ist das Endprodukt der Zellatmung. Rotes Licht soll diese Reaktion verbessern.
CO₂ ist eines der stärksten bekannten gefäßerweiternden Mittel. Es diffundiert leicht aus unseren Zellen (wo es produziert wird) in die Blutgefäße, wo es nahezu augenblicklich mit der glatten Muskulatur interagiert und so eine Gefäßerweiterung bewirkt. CO₂ spielt eine bedeutende systemische, fast hormonelle Rolle im gesamten Körper und beeinflusst zahlreiche Prozesse, von der Wundheilung bis hin zur Gehirnfunktion.
Die Verbesserung des CO2-Spiegels durch Unterstützung des Glukosestoffwechsels (was unter anderem durch Rotlicht bewirkt wird) ist entscheidend für die Behandlung von Erektionsstörungen. Rotlicht wirkt zudem lokal in den Bereichen, in denen es produziert wird, weshalb die direkte Lichttherapie von Leiste und Damm bei Erektionsstörungen interessant sein kann. Tatsächlich kann eine Steigerung der CO2-Produktion zu einer 400%igen Erhöhung der lokalen Durchblutung führen.
CO2 hilft Ihnen auch dabei, mehr NO zu produzieren, ein weiteres Molekül, das mit ED in Verbindung steht, und zwar nicht einfach zufällig oder im Überschuss, sondern genau dann, wenn Sie es brauchen:
Stickstoffmonoxid
Wie bereits erwähnt, hemmt Stickstoffmonoxid (NO) den Stoffwechsel, hat aber tatsächlich noch weitere Wirkungen im Körper, darunter die Gefäßerweiterung. NO wird aus Arginin (einer Aminosäure) in unserer Nahrung durch das Enzym NOS gebildet. Problematisch bei einem anhaltenden Überschuss an NO (verursacht durch Stress/Entzündungen, Umweltverschmutzung, argininreiche Ernährung oder Nahrungsergänzungsmittel) ist, dass es sich an Atmungsenzyme in unseren Mitochondrien binden und diese an der Sauerstoffverwertung hindern kann. Dieser zellgiftartige Effekt beeinträchtigt die Energieproduktion und die grundlegenden Zellfunktionen. Die Haupttheorie der Lichttherapie besagt, dass rotes/infrarotes Licht NO von dieser Bindungsstelle abspalten und so möglicherweise die normale Funktion der Mitochondrien wiederherstellen kann.
Stickstoffmonoxid (NO) wirkt jedoch nicht nur als Hemmer, sondern spielt auch eine Rolle bei der Erektion bzw. der sexuellen Erregung (ein Wirkmechanismus, den Medikamente wie Viagra nutzen). Erektile Dysfunktion (ED) steht in engem Zusammenhang mit NO[10]. Bei sexueller Erregung löst das im Penis gebildete NO eine Kettenreaktion aus. Konkret reagiert NO mit der Guanylylcyclase, wodurch die Produktion von cGMP ansteigt. Dieses cGMP führt über verschiedene Mechanismen zur Gefäßerweiterung (und somit zur Erektion). Dieser Prozess ist jedoch nicht möglich, wenn NO an Atmungsenzyme gebunden ist. Gezielt eingesetztes rotes Licht kann die Wirkung von NO von schädlich auf erektionsfördernd umwandeln.
Die Entfernung von NO aus den Mitochondrien, beispielsweise durch Rotlicht, ist ebenfalls entscheidend, um die mitochondriale CO₂-Produktion wieder zu steigern. Wie bereits erwähnt, fördert ein erhöhter CO₂-Spiegel die NO-Produktion, wenn diese benötigt wird. Es entsteht also ein positiver Kreislauf. Das NO blockierte die aerobe Atmung – nach seiner Freisetzung kann der normale Energiestoffwechsel wieder ablaufen. Ein normaler Energiestoffwechsel ermöglicht es, NO zu passenderen Zeiten und in geeigneteren Bereichen zu nutzen und zu produzieren – ein Schlüsselfaktor für die Behandlung von Erektionsstörungen.
Hormonelle Verbesserung
Testosteron
Wie wir bereits in einem anderen Blogbeitrag erörtert haben, kann die gezielte Anwendung von Rotlicht zur Aufrechterhaltung eines natürlichen Testosteronspiegels beitragen. Testosteron ist zwar aktiv an der Libido (und verschiedenen anderen Gesundheitsaspekten) beteiligt, spielt aber auch eine entscheidende, direkte Rolle bei der Erektion. Ein niedriger Testosteronspiegel ist eine der Hauptursachen für Erektionsstörungen bei Männern. Selbst bei Männern mit psychisch bedingter Impotenz kann eine Erhöhung des Testosteronspiegels (selbst wenn dieser bereits im Normbereich liegt) den Teufelskreis der Funktionsstörung durchbrechen. Obwohl endokrine Probleme nicht immer so einfach durch die gezielte Beeinflussung eines einzelnen Hormons behandelt werden können, erscheint die Lichttherapie in diesem Bereich vielversprechend.
Schilddrüse
Man würde es zwar nicht unbedingt mit Erektionsstörungen in Verbindung bringen, aber der Schilddrüsenhormonstatus ist tatsächlich ein wichtiger Faktor[12]. Ein niedriger Schilddrüsenhormonspiegel wirkt sich sogar negativ auf alle Aspekte der sexuellen Gesundheit von Männern und Frauen aus[13]. Schilddrüsenhormone regen den Stoffwechsel in allen Körperzellen ähnlich wie rotes Licht an, was zu einem Anstieg des CO₂-Spiegels führt (was, wie bereits erwähnt, bei Erektionsstörungen hilfreich ist). Schilddrüsenhormone sind außerdem der direkte Stimulus, den die Hoden benötigen, um mit der Testosteronproduktion zu beginnen. Aus dieser Perspektive betrachtet, ist die Schilddrüse eine Art Schlüsselhormon und scheint die Hauptursache für alles zu sein, was mit körperlichen Erektionsstörungen zusammenhängt. Eine Schilddrüsenunterfunktion bedeutet niedrigen Testosteronspiegel und damit einen niedrigen CO₂-Spiegel. Die Verbesserung des Schilddrüsenhormonstatus durch Ernährung und gegebenenfalls auch durch Lichttherapie sollte daher einer der ersten Schritte sein, die Männer unternehmen, die ihre Erektionsstörungen behandeln möchten.
Prolaktin
Ein weiteres Schlüsselhormon im Zusammenhang mit Impotenz. Hohe Prolaktinwerte verhindern buchstäblich eine Erektion[14]. Dies zeigt sich am besten daran, wie der Prolaktinspiegel in der Refraktärphase nach dem Orgasmus sprunghaft ansteigt, die Libido deutlich reduziert und es schwierig macht, erneut eine Erektion zu bekommen. Das ist jedoch nur ein vorübergehendes Problem – das eigentliche Problem entsteht, wenn der Prolaktinspiegel aufgrund von Ernährung und Lebensstil langfristig ansteigt. Im Grunde kann sich der Körper dann dauerhaft in einem Zustand befinden, der dem Zustand nach dem Orgasmus ähnelt. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, langfristige Prolaktinprobleme anzugehen, unter anderem durch die Verbesserung der Schilddrüsenfunktion.
Rot, Infrarot? Was ist besser?
Laut Forschungsergebnissen emittieren die am häufigsten untersuchten Lampen entweder rotes oder nahinfrarotes Licht – beide werden untersucht. Darüber hinaus sind jedoch noch einige weitere Faktoren zu berücksichtigen:
Wellenlängen
Verschiedene Wellenlängen haben eine starke Wirkung auf unsere Zellen, aber es gibt noch mehr zu beachten. Infrarotlicht mit 830 nm dringt beispielsweise viel tiefer ein als Licht mit 670 nm. Man geht jedoch davon aus, dass Licht mit 670 nm eher NO von den Mitochondrien ablöst, was insbesondere für die erektile Dysfunktion von Bedeutung ist. Rote Wellenlängen zeigten zudem eine bessere Verträglichkeit bei Anwendung auf die Hoden, was hier ebenfalls wichtig ist.
Was man vermeiden sollte
Wärme. Die Anwendung von Wärme im Genitalbereich ist für Männer nicht empfehlenswert. Die Hoden sind extrem wärmeempfindlich, und eine der Hauptfunktionen des Hodensacks ist die Wärmeregulierung – die Aufrechterhaltung einer Temperatur unterhalb der normalen Körpertemperatur. Das bedeutet, dass jede Quelle für rotes/infrarotes Licht, die gleichzeitig eine erhebliche Wärmemenge abgibt, bei Erektionsstörungen nicht wirksam ist. Testosteron und andere für die Fruchtbarkeit wichtige Faktoren, die bei Erektionsstörungen hilfreich sein können, werden durch eine unbeabsichtigte Erwärmung der Hoden beeinträchtigt.
Blaues und UV-Licht. Längere Einwirkung von blauem und UV-Licht auf den Genitalbereich kann sich negativ auf den Testosteronspiegel auswirken und langfristig zu Erektionsstörungen führen, da diese Wellenlängen schädliche Wechselwirkungen mit den Mitochondrien eingehen. Blaues Licht wird zwar mitunter als hilfreich bei Erektionsstörungen beschrieben, es ist jedoch wichtig zu beachten, dass blaues Licht langfristig mit Schäden an Mitochondrien und DNA in Verbindung gebracht wird und daher – ähnlich wie Viagra – wahrscheinlich negative Langzeitwirkungen hat.
Die Anwendung von rotem oder infrarotem Licht an beliebigen Körperstellen, auch an ungewöhnlichen Bereichen wie Rücken oder Arm, als proaktive Anti-Stress-Therapie über einen längeren Zeitraum (15 Minuten und mehr) hat laut Online-Berichten positive Auswirkungen auf Erektionsstörungen und morgendliche Erektionen. Offenbar sorgt eine ausreichend hohe Lichtdosis dafür, dass Moleküle wie CO₂, die im lokalen Gewebe produziert werden, in den Blutkreislauf gelangen und so die oben genannten positiven Effekte in anderen Körperbereichen hervorrufen.
Zusammenfassung
Rotes und Infrarotlichtkönnte für Patienten mit erektiler Dysfunktion von Interesse sein.
Verschiedene mögliche Mechanismen, darunter CO2, NO und Testosteron.
Zur Bestätigung sind weitere Forschungen erforderlich.
Rot (600-700 nm) scheint etwas besser geeignet, aber NIR auch.
Der optimale Bereich dürfte 655-675 nm sein.
Wenden Sie keine Wärme im Genitalbereich an.
